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Der Weihnachtsmann war ein Pilzhändler

Der Weihnachtsmann war ein Pilzhändler

Viele von uns werden heute Abend mit der Familie unter einem festlich geschmückten Weihnachtsbaum zusammensitzen. Wir werden exzellentes Essen genießen, für das mindestens ein Familienmitglied nun völlig erschöpft am Esstisch sitzt, weil dafür ein halber Tag in der Küche notwendig war. Gemeinsam werden wir auf die Weihnachtszeit und das Jahresende anstoßen. Wenn Kinder dabei sind, verpacken wir Alles in eine Geschichte und tun so, als hätte der Weihnachtsmann oder das Christkind für die Geschenke unter dem Baum gesorgt.

Das Christkind ist ganz offensichtlich eine christliche Version der Weihnachtsgeschichte. Aber woher kommt der Gedanke von einem Weihnachtsmann in seinem von Rentieren gezogenen Schlitten in den typischen Weihnachtsfarben? Es gibt dazu die verschiedensten Überlieferungen und jede Kultur scheint ihre ganz eigene Version davon zu haben. Aber nur eine Geschichte wird immer und immer wieder erzählt und sie hat ihren Ursprung weit im Norden. Dort wo im Winter so viel Schnee fällt, dass sogar die Rentiere brusttief darin versinken. Da wo der Himmel in den endlos erscheinenden Winternächten türkis-grüne Farben annimmt. Wir sprechen von Lappland und dem Polarkreis mit Nordlichtern. Der Coca-Cola Weihnachtsmann und das heilige Christkind sind moderne Abwandlungen einer uralten Tradition, die sich um ein Naturritual drehte. Im Fokus dieses Rituals stand ein heiliger Pilz, und zwar ein ganz bestimmter. Ein Pilz, den jeder schon einmal gesehen hat: es ist der Fliegenpilz, oder lateinisch Aminata Muscaria.

 

„Der ist doch giftig!“

sagen jetzt bestimmt viele, warum sollte dieser Pilz im Fokus von Weihnachten stehen? Nun ja, Aminata Muscaria ist zwar giftig, hat aber auch noch ein paar ganz besondere Eigenschaften (bitte trotzdem nicht essen!) Schauen wir uns das Mal genauer an:

In Lappland leben die Sami, ein Volk, die wirklich wahre Meister darin sind, mit den dunklen und langen Winternächten zurechtzukommen und denen selbst meterhoher Schnee nichts ausmacht. Die Sami bewegen sich mit Rentieren und ihren Schlitten durch den Schnee und leben in sogenannten Jurten, die in der Mitte eine Feuerstelle haben, um welche sich die Familien versammeln.  

 

Geheizt wird mit Nadelholz, denn bei so einer argen Kälte im Winter überlebt nicht viel Vegetation. Die Ausnahme bilden die Nadelbäume, die sich darauf spezialisiert haben, auch im Schnee noch grün zu bleiben. Eine besonders beliebte Art ist bei uns die Kiefer, bzw. der klassische Weihnachtsbaum. Aber nicht nur wir und die Sami profitieren von der Immergrüne dieses Baumes, auch der Fliegenpilz zieht seinen Nutzen daraus. Er geht eine Symbiose mit dem Weihnachtsbaum ein. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass man ihn vorzugsweise unter Weihnachtsbäumen findet.

Da wo wir nun den Baum fällen würden, um ihn zu Hause zu schmücken, sammeln die Sami lieber den Fliegenpilz und nehmen ihn zum Trocknen mit nach Hause. Das passierte entweder, in dem Sie ihn an nahen Weihnachtsbäumen aufhingen oder in Socken über dem Feuer trockneten. Ein bekanntest Weihnachtsbild mit der Ausnahme, dass bei uns nur noch selten Pilze in den Socken zu finden sind. Das ist vielleicht auch besser so, denn mit dem Trocknen von Aminata Muscaria nimmt die Giftigkeit des Pilzes zwar etwas ab, aber er ist immer noch stark belastend für den Körper.

Bitte nicht den gelben Schnee essen

Die Sami wandten dafür einen Trick an: Sie gaben ihren Rentieren den Pilz zum Verzehr, denn diese hatten offensichtlich weniger Problem damit, die Giftstoffe herauszufiltern. Die Sami tranken den Urin der Rentiere aufgefangen im Schnee, um ausschließlich an den halluzinogenen Bestandteil des Pilzes zu gelangen. Der Fliegenpilz hat nämlich in kleinen Mengen eine bewusstseinserweiternde und berauschende Wirkung. Die Sami setzten diese halluzinogene Wirkung speziell zu Weihnachten ein um, sich in eine Art Trance zu versetzten.

 


Der Weihnachtsmann war ein Schamane?

Ja im Prinzip schon. Am „heiligen Abend“ wanderten die Schamanen der Sami von Zelt zu Zelt. Dieses Ritual war nur ganz bestimmten Stammesoberhäupten vorbehalten. Es waren zumeist ältere und erfahrene Männer mit langem weißen Bart. Sie besuchten die Familien, um sich mit ihnen um das Feuer zu versammeln und ihnen Retroperspektive über das vergangene Jahr und auch Prognosen über die Zukunft zu gewähren. Zu Ehren des Fliegenpilzes trugen sie rot-weiße Kleidung, und zum Schutz vor dem Schnee waren sie mit großen Stiefeln aus Rentierleder ausgestattet, die sich mit der Zeit schwarz färbten.



Häufig waren die Winter so schneelastig, dass die Eingangstür der Zelte komplett zugeschneit war. Die Schamanen stiegen dann mit einer Leiter über die Rauchabzugsöffnung oben im Zelt ein. Auch dieses Bild kennen wir. Unsere heutigen Kamine machen das natürlich unmöglich, aber traditionell war die obere Zeltöffnung für die Sami eine geläufiger Ein- und Ausstieg im Winter.

Der Stern auf dem Weihnachtsbaum

Die Legende besagt, dass die Schamanen während ihrer Trance Reisen in die Zukunft der Familien blicken konnten. Die Sami beschreiben es so: wenn der Geist des Schamanen seinen Körper verlässt, kann er überall hinreisen, in den Himmel, in die Ozeane oder die Unterwelt. Auf seinen Reisen fragt der Schamane die Geister und verstorbenen Verwandten, ob sie Botschaften für die Familie haben.


In vielen Kulturen teilt man hier die Vorstellungen von einem Weltenbaum, dessen Wurzeln bis in die Unterwelt wachsen und die Äste bis in den Himmel reichen. Für die Sami reicht der Weltenbaum sogar bis zum Nordstern „Polaris“ dem hellsten Stern, den man von Lappland aus sehen kann. Bei den Zeremonien kletterte der Geist des Schamanen auf den Weltenbaum und berührte den Stern. Er stand für Wahrheit und Weisheit. Dies ist mitunter ein Grund, warum wir heute symbolisch einen Stern auf die Spitze des Weihnachtsbaumes stecken. Aber genug von esoterischen Weissagungen.

Was bedeutet das für uns?

Solltest du dir nun Fliegenpilze zu Weihnachten trocknen? Bitte nicht, es wäre zumindest nicht unsere Empfehlung. Viel wichtiger ist uns, dir anhand dieser uralten, samischen Tradition wieder den eigentlichen Sinn von Weihnachten näher zu bringen. Der bestand sicher nicht nur darin, Pilze zu essen und sich auf psychedelische Trips zu begeben. Es ging viel mehr darum, die samischen Familien Jahr für Jahr wieder näher zusammen zu bringen.

Ganz egal, welche Geschichte du bevorzugst, in einer Ansicht überschneiden sie sich alle: Weihnachten ist in ein Fest der Großzügigkeit, der Dankbarkeit und auch der Familienzeit. Es ging darum, dass Familien gemeinsam das Jahr rückblickend betrachten, sich stärken und sich auf das neue Jahr vorbereiten. Überwältigt von dem heutigen Materialismus und dem Überfluss an Weihnachtsgebäck und Geschenken, gehen solche Ursprungsgedanken über die Jahrzehnte verloren. Wir haben daher diese Weihnachtsgeschichte geschrieben, um sie wieder in deine Erinnerung zu bringen. 

In diesem Sinne wünschen wir dir besinnliche und schöne Weihnachten,

dein Lykaia Team 🎄

 

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