Ist eine vegane Ernährung gesund?

Aufgrund dessen, dass ich mich selbst ein Jahr lang vegan ernährte, kann ich dies nicht nur anhand wissenschaftlicher Ergebnisse, sondern auch aus meiner eigenen Erfahrung heraus beantworten.

Fangen wir aber mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen an: Dazu muss man sich eigentlich nur mal die Selbsttests diverser Personen anschauen, die ihre eigenen Blutwerte und die eigene Körperkomposition vor und nach einer mehrwöchigen veganen Ernährung untersuchen ließen. Als Beispiel der Radiologist Dr. Raj Attariwala der u.a. mit 8 weiteren Personen an einer 4 wöchigen veganen Diät teilnahm. "I'm a skinnier, fatter guy than I was before." war nicht nur sein Ergebnis, sondern auch das von 7 weiteren der 8 Teilnehmer. Er verlor Gewicht, aber hauptsächlich Muskeln und nahm sogar an viszeralem Fett zu. Warum? Weil sein Körper 4 unfassbar harte Wochen hatte, in denen er zusehen musste, wie er sich mit essentiellen Aminosäuren versorgt. Wenn diese über die Ernährung fehlen, werden die eigenen Muskeln ausgelaugt.

Auch ich habe diese Erfahrung gemacht. In den Jahren 2014 bis 2015 ernährte ich mich vegan.

Anfangs natürlich euphorisch und besessen von dem neuen "Ich bin vegan"-Trend - "Lass uns die Stadt auf vegane Cafés absuchen, ich bin ein Teil der veganen Community" und "Fleisch ekelt mich an". Menschen ordnen sich gerne einer Gruppe zu, geteilte Ansichten stärken das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl - hier war es der Sojaschrot. Ich hinterfragte und recherchierte damals leider nicht tiefergehend, was eine rein pflanzen-basierte Ernährung langfristig mit meinem Körper machen würde.

Ich kaufte vegane Ersatzprodukte wie "like chicken", "Sojageschnetzeltes oder vegane Würstchen. Gerade diese Produkte sind oft der größte Müll, den der Supermarkt bereithält, weil sie aus hoch verarbeitetem und gepressten Soja oder Weizengluten bestehen. Mit reichlich Geschmacksverstärkern, E-Stoffen und Zucker werden sie in fleischähnliche Formen gepresst. Eine extreme Belastung für unseren Körpern.

Nach einem halben Jahr (mehr oder weniger überraschend) bekam ich Vitamin B12 Mangel und Darmprobleme u.a. durch den hohen Anteil an Lektinen in der Ernährung. Ich weiß noch, wie ich mit Grippe auf dem Sofa lag und mich nach nichts so sehr verzehrte, wie nach Mamas selbstgemachter Hühnersuppe. Hier stellte ich mir dann auch erstmalig wieder die Frage, ob es gerechtfertigt war sämtliche tierische Produkte zu verteufeln. Mein Körper sehnte sich danach weil er wohl in der Grippephase gerne die heilenden Enzyme der Hühnerbrühe zur Selbstreparatur gehabt hätte.

Aber noch ein paar weitere Monate verweigerte ich meinem Körper die tierischen Proteine. Dumm war das - rückblickend - denn gesundheitlich ging es mir nicht gut damit und auch was die Körperkomposition anging war ich damals, ja ich würde sagen fast schon etwas skinny fett. Ein Sixpack hatte ich zumindest nicht. Dazu muss ich jedoch auch fairer Weise sagen, dass ich meine damalige Körperkomposition nicht alleine auf die Ernährung zurückführen kann, da ich erst nach meiner veganen Phase intensiv in das Krafttraining einstieg. Mit Beginn des Krafttrainings ließ ich dann auch meine veganen Glaubenssätze fallen und informierte mich, anstatt mich von Trends inspirieren zu lassen. Ich lernte, dass Qualität entscheidender ist als ein kategorischer Verzicht auf tierische Produkte.

Wenn du dich vollständig vegan ernähren möchtest, dann musst du vermutlich mit ein paar extra Kilos rechnen.

Denn dein Körper tut sich langfristig schwer damit, alle Aminosäuren aus pflanzlicher Nahrung zu extrahieren. Infolgedessen isst du mehr Kalorien als du verbrauchst, um deinen Proteinbedarf zu decken (das muss nicht immer der Fall sein, ist aber recht wahrscheinlich). Hinzu kommt eine fast schon notwendige Supplementierung mit fehlenden Vitaminen, wenn man nicht jeden Tag Sauerkraut essen möchte, um den B12 Haushalt zu decken (und B12 hier nur als Beispiel genannt, denn es fehlen meist noch weitaus mehr Vitamine und Aminosäuren). Also wie gesund ist eine Ernährung, die einer zusätzlichen Supplementierung bedarf und dir ein bisschen extra Viszeralfett verschafft?

Warum berichten dann so viele davon, dass es Ihnen mit einer veganen Ernährung auf einmal so gut geht und sie nun so gesund sind wie nie zuvor?

Tiere quälen und What The Health? Das kann doch nicht alles Bullshit sein, was die da sagen? Wie z.B. Attila Hildmann der nun auch seine Nudeln aus Zucchinis dreht und aus dem Tofu Block Tiere bastelt. Nun eigentlich wenig überraschend, wenn jemand (wie bspw. Attila Hildmann) aus einer Fast Food Ernährung mit viel verarbeiteten fettigem minderwertigen Fleisch und Milchprodukten kommt und auf einmal anfängt die Imbiss Wurst durch Salatwraps zu ersetzen - plausibel, dass dies ein Upgrade zu seiner vorherigen Ernährungsweise ist und sein Körper auf einmal viel mehr Nährstoffe und Vitamine durch Gemüse bekommt als nur aus Weizen und Weißwurst. Das nächste Upgrade gibt's dann mit Wildlachs, Bio Eiern und Knochenbrühe. 

Wenn ich damit abschließe, kommt häufig dann die Frage: Was hälst du von der Carnivoren Diet? Wenn ich nur Fleisch esse? Verdammt nein, von dem einen Extrem ins Nächste, wir sind keine Kaninchen, wir sind auch keine Löwen. 
Die unterscheiden sich nicht nur anatomisch gänzlich von unserem Magen-Darmtrakt sondern haben auch ganz andere Darmbakterien und welcher Mensch hätte früher ausschließlich von Fleisch gelebt? Wie soll das gehen? Jeden Tag einen Fang machen und 4 Mal am Tag frisches Hirschsteak essen? Alleine wegen der Haltbarkeit absolut unmachbar, außer vielleicht du lebst wie die Inuit im Eis und alles, was du fängst gefriert dir instant unter den Fingern weg. Aber selbst die Inuit haben nach Kartoffeln gesucht um sich mit ein paar Kohlenhydraten zu versorgen. Denn die resistente Stärke in bestimmten Kohlenhydratquellen ist sogar essentiell für das Funktionieren und Überleben unserer Darmbakterien.


Also keep it simple, keep it natural.

"Eat wild, perform best" trifft es für mich nicht umsonst so gut, wobei das "wild" für "möglichst unverarbeitet und abwechslungsreich" steht. So schön sie klingen, ich bin "vegan, paleo, carnivore, keto" unterwegs, wie wäre es mal mit ausgewogen? Für mich heißt ausgewogen, dass ich mein Haferflocken mal mit Ziegencasein esse, mal mit Lupinenprotein und auch mal einfach gar nicht. Was bedeutet es für dich ausgewogen zu essen?

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